Opel Mausoleum

18. August 2017

Knapp 30 Jahre nach dem Tod von Adam Opel ließ die Familie für sich in Rüsselsheim eine Grabstätte errichten. Sie entstand 1924 als prachtvolles Mausoleum auf dem Alten Friedhof. Hier ruhen:

Adam Opel (1837–1895) & Sophie Opel (1840–1913)

sowie die 5 Opel Söhne
Karl Opel (1869–1927), seit 1918 von Opel
Wilhelm Opel (1871–1948), seit 1917 von Opel
Heinrich Adam Opel (1873–1928), seit 1917 von Opel
Friedrich Franz Opel (1875–1938)
Ludwig Opel (1880–1916)

Ebenso wurden die Ehepartnerinnen sowie neun Enkel und zwei Urenkel im Mausoleum bestattet. Die letzte Beisetzung fand 2014 statt.

Text und Foto: Patricia Buchner
Das Opel-Mausoleum von 1924

Im frühen 20. Jahrhundert zählte die Familie Opel zu den einflussreichsten Unternehmern der noch jungen deutschen Automobilindustrie. Den Ausgangspunkt ihrer erfolgreichen Firmengeschichte stellte die Stadt Rüsselsheim dar, in der bis heute noch neben dem Opel-Altwerk zahlreiche Gebäude und Denkmäler an das Schaffen der Familie erinnern. Dazu gehört auch das Opel-Mausoleum (oder „Opel-Gruft“ bzw. „Gruftkapelle der Familie Opel“ genannt), das sich auf dem Alten Friedhof der Stadt an der Mainzer Straße, Ecke Theodor-Körner-Straße befindet.
Als 1895 Adam Opel und 1913 seine Frau Sophie hochangesehen verstarben, gab es diesen Mausoleumsbau noch nicht. Er wurde erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Auftrag gegeben (vgl. StAR XVII 6, 4). Als der Bau 1924 fertiggestellt war, erfolgte die Umbettung des Ehepaars in die repräsentative Grablege. Fünfzehn Jahre später wurde die Stilllegung des Alten Friedhofs verfügt, auf dem 1941 die letzte Bestattung erfolgte. Reguläre Beisetzungen fanden von nun an auf dem neuen Waldfriedhof statt und das alte Friedhofsgelände wurde zu einer Grünanlage umgestaltet (vgl. StAR XVII 6, 3). Davon ausgenommen blieb das Mausoleum, wie in einem Vertrag zwischen der Familie Opel und der Stadt Rüsselsheim 1940 vereinbart wurde. Gegen eine einmalige Zahlung von 30.000 Reichsmark verpflichtete sich die Stadt, die bauliche und gärtnerische Pflege der Außenanlage zu übernehmen. Dagegen verblieben alle Instandhaltungskosten für den Innenbereich bei der Familie Opel, und zwar so lange, wie sie es als Begräbnisstätte zu nutzen wünscht. Einen Anspruch auf die Beisetzung an diesem Ort haben alle Familienmitglieder in direkter Nachfolge. Für den Fall, dass das Mausoleum nicht mehr als Grablege genutzt werden sollte, wurde festgelegt, dass es danach den Status eines Denkmals erhalten soll (vgl. ebd.).
Der Bau selbst wurde von dem Darmstädter Architekten Paul Meissner (1868–1939) entworfen (vgl. Zimmermann 1991, 319), der bereits vor dem Ersten Weltkrieg die architektonische Gestaltung des Fabrikausbaus der Firma Opel übernommen hatte (vgl. ebd., 313). Wie aber konnte sich die Familie Opel in der schweren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die Errichtung eines so aufwendigen Mausoleums leisten? Ihre Firma hatte zwar durch den Krieg und die anschließende Inflation wirtschaftliche Einbrüche hinzunehmen, aber durch die Umstellung der Produktion von Luxusautos auf kostengünstigere Kleinwagen und durch die Einführung der Fließbandproduktion gelang es dem Unternehmen noch in den 1920er-Jahren, sich als erfolgreichstes deutsches Automobilunternehmen zu etablieren (vgl. Deutsche Dynastien 2012). Der finanzielle Erfolg ermöglichte nicht zuletzt die Anlage einer repräsentativen Familiengrabstätte.
Das Mausoleum ist im neoklassizistischen Stil erbaut worden und greift die strengen Formen des im frühen 19. Jahrhundert vorherrschenden Klassizismus wieder auf (vgl. Borst 1992, 29). Die einfache und strenge Ästhetik entsprach Meissners formsprachlichem Ausdruck zu dieser Zeit (vgl. Zimmermann 1991, 296) und wurde offensichtlich nicht nur von der Familie Opel geschätzt, sondern auch von der Stadt Rüsselsheim, die den Architekten für die Planung der Waldfriedhofsanlage 1932 engagierte (vgl. ebd., 328).
Der rechteckige und schlicht gehaltene Baukörper des Mausoleums wurde aus Muschelkalk erstellt (vgl. Borst 1992, 29). Drei übereinander gestaffelte Gesimse schließen das Gebäude nach oben hin ab. Bedeckt ist es mit einem Kupfer-Walmdach, auf dessen First ein Steinkreuz angebracht ist. Der Eingang in das kapellenartige Gebäude ist über eine Freitreppe mit sechs Stufen zu erreichen, die auf ein Podest mit bepflanzten Blumenkübeln führen. Rechts und links neben dem Portal schmücken Säulenreliefs den Eingangsbereich, an deren Spitze lodernde Feuerschalen zu erkennen sind. Über dem Portal steht in goldener Schrift ganz schlicht Opel. Der Zugang zum Mausoleum wird durch ein Messinggitter geschützt, das mit einem orientalischen Ornamentmuster verziert ist und auf dem man ebenfalls den Namen Opel lesen kann. Dahinter befindet sich die eigentliche Tür aus metallverkleidetem Holz. Auf der Rückseite des Gebäudes ist als kreisrundes Relief das Familienwappen und ein Hinweis auf das Errichtungsjahr angebracht sowie eine goldene lateinische Inschrift, die besagt, dass die Verstorbenen in diesem Haus ihre ewige Ruhe finden sollen. Im Außenbereich, der für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist, sind Einfassungen für Beete sowie ein umfunktionierter und bepflanzter Brunnen zu erkennen. Vom Zutritt zum Innenraum ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Nur zu besonderen Anlässen wie dem „Tag des offenen Denkmals“ finden in jüngerer Zeit Öffnungen für die Allgemeinheit statt (vgl. Dörhöfer 2017).
Der Innenraum des Mausoleums wurde von dem Frankfurter Innenarchitekten und Glasmaler Otto Linnemann (1876–1961) entworfen, der mit Meissner befreundet war. Die Wände sind mit rotbraunem Marmor und orientalischen Zierformen und Friesen ausgekleidet (vgl. Lorenz 2017). Abgeschlossen wird der Raum von einer gewölbten weißen Decke, von der ein zweistufiger, gusseiserner Kronleuchter hängt. Ein kleines Fenster über dem Eingang spendet dem Innenraum ein wenig Tageslicht. Dem Eingangsbereich gegenüber ist in die Wand die Grabtafel von Adam und Sophie Opel eingelassen (vgl. Magistrat der Stadt Rüsselsheim 1987, 76). Umrahmt wird sie von zwei Frauenplastiken und davor steht noch auf einem Sockel die Bronzebüste des Firmengründers. Optisch erinnert die Anlage an einen Kirchenaltar, der in diesem Falle als Erlöser nicht den Heiland zeigt, sondern Adam Opel. Den Seitenwänden im Innenraum wurden Podeste vorgelagert, auf denen sich zwei Skulpturen mit jeweils einer großen Urne befinden. An den Wänden dahinter sind die Grabtafeln für die fünf Opel-Söhne und ihre Familie angebracht, deren Namen in goldener Schrift aufgelistet werden. Eine weitere Grabtafel befindet sich auf der linken Seite des Eingangsbereichs. Unter einem Perserteppich in der Mitte des Raumes liegt der Zugang zur Gruft, der ausschließlich für Begräbnisse geöffnet wird. Treppen führen in den Grabraum hinunter, in dem die Urnen aufbewahrt werden (vgl. Lorenz 2017).
Mit ihrem Mausoleum hat sich die Familie Opel in Rüsselsheim gewissermaßen selbst ein Denkmal gesetzt und sich dauerhafte Präsenz und Sichtbarkeit in der Stadt verschafft. Bemerkenswert bleibt, dass die Opel-Familie mit der Errichtung ihres Mausoleums formensprachlich weniger an die damalige Moderne anknüpfte, obwohl das Produkt, mit dem sie reich geworden war, diese so überaus trefflich symbolisierte, sondern sich eher an klassischen Vorbildern orientierte, die offensichtlich ihrem Selbstverständnis als erfolgreiche Unternehmer mehr entsprachen.

Übersicht über die im Opel-Mausoleum beigesetzten Familienangehörigen nach den Angaben auf den Grabtafeln (Stand Oktober 2018)

[1. Grabtafel]
Georg Opel (1838–1913)
Carl Gustav Johann Georg von Opel, gen. Gösta (1935–1957)
Alexander Heinz Georg Adam von Opel (1979–1995)
Heinz Georg Adam von Opel (1943–2006)
Familie Heinrich von Opel
Heinrich von Opel (1873–1928)
Emmy von Opel, geb. Weber (1878–1928)
Heinz von Opel (1899–1922)
Margrit von Opel (1902–1963)
Irmgard Luise von Opel (1907–1986)
Marion Irmgard Külb von Opel (1927–2014)
Familie Karl von Opel
Kommerzienrat Karl von Opel (1869–1927)
Helene von Opel, geb. Mouffon (1875–1921)
Hans von Opel (1899–1948)
Dr. phil. h.c. Georg von Opel (1912–1971)
Sophie von Opel (1896–1971)
Eleonore Egli von Opel (1908–1998)
[Ehepaar Opel]
Adam Opel (1837–1895)
Sophie Opel, geb. Scheller (1840–1913)
Familie Wilhelm von Opel
Dr.-Ing e.h. Wilhelm von Opel, Geheimer Kommerzienrat (1871–1948)
Marta von Opel, geb. Bade (1874–1961)
Helma Opel (1904–1907)
Dipl. Ing. Fritz von Opel (1899–1971)
Emita von Opel, geb. Olozaga de Herran (1913–1967)
Carlo Kirchner von Opel (1894–1979)
Elinor Kirchner von Opel (1908–2001)
Familie Fritz Opel
Dr.-Ing. e.h. Fritz Opel (1875–1938)
Louise Opel, geb. Dechent (1880–1923)
Dr. Ludwig Opel (1880–1916)

Literatur

Borst, Ernst (1992). Der alte Friedhof an der Mainzer Straße – die zeitgeschichtliche Bedeutung (Fortsetzung & Schluß). Rucilin, 13, 14–32.
Dörhöfer, Regina (2017). Opel-Mausoleum: Hier wurden die Pestopfer bestattet. https://www.fnp.de/lokales/kreis-gross-gerau/ruesselsheim-ort29367/opel-mausoleum-hier-wurden-pest-opfer-bestattet-10478331.html [01.07.2018].
Lorenz, Stella (2017). Wir öffnen Türen: Die verwunschene Opel-Gruft. https://www.fnp.de/hessen/oeffnen-tueren-verwunschene-opel-gruft-10445753.html [01.07.2018]
Magistrat der Stadt Rüsselsheim (1987) Rüsselsheimer Rundwege. Durch das alte und älteste Rüsselsheim, Route 1. Rüsselsheim.
Zimmermann, Georg (1991). Paul Meissner, ein Darmstädter Baukünstler. Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, 49, 291–342.

Quellen

Deutsche Dynastien. Die Opels. ARD-Doku, Farbe, Manfred Oldenburg, 2012, Broadview TV, 44 Min.
StAR (Stadtarchiv Rüsselsheim) XVII 6, 3, Erbbegräbnisse, 1916.
StAR (Stadtarchiv Rüsselsheim) XVII 6, 4, Erbbegräbnisse. Gesuch der Familie Opel, 1916.

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